Adons Überweg

eine geschichtsträchtige, verwitterte Steinbrücke aus alter Zeit



Nachdem Fürst Adon im Jahre 820 v.D. mit einem großen Teil der Kriegerkaste der Rakesh und wenigen Familien der restlichen drei Kasten gen Westen marschiert war, um die kriegerischen Echeni von einem Einmarsch in Ost-Edorea abzuhalten, ließ er auf dem Gebiet jenes Gebirges, welches heute unter dem Namen "Dämonenhorn" bekannt ist, eine Festung errichten, unterhalb deren Mauern über die Jahrhunderte hinweg auch die erste und größte Stadt der abtrünnigen Rakesh entstehen würde. Um jedoch die Truppen seines Volkes, das man später als "Dämmerfänge" bezeichnete, effizient in die Schlacht schicken zu können, musste eine Möglichkeit geschaffen werden, den breiten Fluss "Drokh S'Krarga", in der Sprache der Rakesh "Verschlinger der Tränen", jederzeit ohne Mühe überqueren zu können. Ungefähr im Jahre 780 v.D. wurde deshalb von Fürst Adon der Bau einer Steinbrücke in Auftrag gegeben, die so stabil sein sollte, dass sie tausende Jahre überdauern könnte. Durch diese Brücke war es Adon und seinen Dämmerfängen möglich, um das Jahr 740 v.D. herum auch noch die letzten verbliebenen Echeni aus Ost-Edorea zu vertreiben und das Volk der Echeni sogar bis auf das Gebiet der Rossebene im Süden West-Edoreas zurückzudrängen. Auf Grund dieser Leistung wurde sie zu seinen Ehren fortan nur noch "Adons Überweg" genannt und diente in den Jahrhunderten nach Adons Tod sowohl dem Handel in Ost-Edorea als auch weiterhin militärischen Zwecken der Dämmerfänge.


Als nach dem Jahr 320 v.D. auf Grund des Fluches von Tul Asnard und seinen Nekromanten die Toten überall auf der Welt scharenweise aus ihren Gräbern zurückkehrten, um ihre Nachfahren zu ihresgleichen zu machen, erwies sich die Brücke erneut als äußerst nützlich. Auf Grund des konzentrierten Zustroms der Untoten auf Adons Überweg konnte dort vielen Seelen durch Zweckentfremdung der Feuerschalen, welche die Brücke erhellten, die ewige Ruhe zurückgegeben werden. Dies hatte jedoch jene Kehrseite, dass die Untoten durch die Existenz der Brücke überhaupt erst eine Möglichkeit hatten, den Drokh S'Krarga zu überqueren, um auf das Gebiet der Dämmerfänge zu gelangen, und nicht mehr einfach durch den Fluss aufgehalten wurden. Doch Adons Überweg hielt den anstürmenden Horden der Untoten unbeschadet stand, bis sich die Situation im Jahre 310 v.D. durch die Versiegelung des Nekromantenzirkels in der "Kammer der Herren der Toten" schließlich beruhigte und fortan nur noch vereinzelt Untote aus ihren Erdgräbern hervorkrochen, welche ohne die Führung der Nekromanten keine ernstznehmende Gefahr mehr darstellten.


So überdauerte Adons Überweg weitere Jahrhunderte, bis die Brücke im Jahre 470 n.D. schließlich einer Kraft ausgesetzt war, der sie nicht vollständig standhalten konnte, weil kein Dämmerfang zu Fürst Adons Zeiten jemals erwartet hätte, dass sie sich irgendwann einmal mit so einer Macht konfrontiert sehen würden: Der Magierkrieg hatte seinen Höhepunkt erreicht und die Landschaften Iskarias wurden im Kampf der Adeligen durch gewaltige Feuerbälle, Blitzeinschläge, Sturmwinde, Flutwellen und Lavaströme magischen Usprungs sowie weitere mächtige Zauber verwüstet. Längst waren andere kleinere und größere Brücken entstanden, die über den Drokh S'Krarga führten, doch wurde Adons Überweg weiterhin genutzt, da die Brücke über die Jahrhunderte hinweg kaum beschädigt worden war. Als während einer Schlacht ein Magier des angreifenden Valgenheers mit riesigen Kugeln aus purer magischer Energie um sich schleuderte, wurde auch Adons Überweg schwer getroffen, wodurch einer der Brückenbögen barst und noch weitere, weniger tragische Schäden an der Brücke entstanden. Aus dieser Schlacht gingen schließlich die Dämmerfänge siegreich hervor, doch konnte der Schaden, welcher an der Brücke entstanden war, in der Hektik des tobenden Krieges nicht zufriedenstellend behoben werden. Man legte auch nicht sofort Augenmerk darauf, da es, wie zuvor erwähnt, mittlerweile bereits mehrere wichtigere Brücken über den Drokh S'Krarga gab, welche verteidigt werden mussten. Nachdem die Dämmerfänge auf Grund der Zerstörung ihrer Städte im Laufe des Magierkrieges schließlich in andere Teile der Welt flüchten mussten, sich zerstreuten, sich zu einem Teil in die Gesellschaften anderer Reiche integrierten und zu einem anderen Teil fortan als Nomaden lebten, blieb Adons Überweg gemeinsam mit all den anderen Ruinen des einstigen großen Reiches dem Verfall überlassen.


Was in den Jahrhunderten danach geschah, ist nicht überliefert, da das Gebiet um das Dämonenhorngebirge herum nach dem Magierkrieg als verfluchtes Niemandsland galt, in welchem regelmäßig Leute verschwanden, doch ist davon auszugehen, dass die Brücke um 1705 n.D. herum in den Jahren der Verheerung durch den großen Wirbelsturm des Auvorenprinzen Juon Xin weitere, wenn auch sicher kleinere Schäden erhielt.


Noch heute ist diese erste steinerne Brücke, welche man über den Drokh S'Krarga baute, unter den Einheimischen der Dörfer südlich des Flusses als "Adons Überweg" bekannt, doch hat der Rest des Kontinents die Geschichte dieser Brücke zum größten Teil vergessen, wodurch nur noch Gelehrte und Dämmerfänge, denen die Geschichte ihrer Ahnen überliefert wurde, Genaueres wissen. Bedenkt man, wie lange die Brücke bereits existiert, ist sie trotz ihres sichtbaren Verfalls noch immer in einem erstaunlich guten Zustand. Fürst Adons Wunsch nach einer Brücke, die Jahrtausende überdauern könnte, hatte sich also letztendlich zumindest zum Teil erfüllt.